Im Gesundheitswesen werden Aufgaben zunehmend durch neue Medizingeräte automatisiert oder unterstützt. Hinter der Beschaffung dieser Geräte steht eine lange und komplexe Lieferkette – vom Bau der mikroelektronischen Komponenten über den Zusammenbau und die Softwareimplementierung bis hin zur Lieferung an die nutzende Einrichtung.
Dabei geht immer wieder auch etwas schief, sodass Medizintechnik zum IT-Risiko werden kann. Medizintechnik braucht daher Fachkräfte, die mehrere Disziplinen in sich vereinen: Elektrotechnik, Informatik und IT-Sicherheit.
Die Technische Hochschule Brandenburg bietet Studiengänge im Bereich Medizininformatik an, die genau diese Lücke schließen sollen.
Warum sind IT und Medizintechnik unterschiedliche Disziplinen?
IT entwickelt primär digitale Systeme, von Datenbanken über Apps bis hin zu Netzwerken. Medizintechnik hingegen baut regulierte, sicherheitskritische Geräte und Software, die direkt mit Menschen und ihrer Physiologie interagieren. Zu den Teildisziplinen zählen Algorithmik, Biokompatibilität, Sensorik, klinische Usability und auch das Befolgen von strenge Normen und sektorspezifischen Normen.
Während IT-Projekte häufig agil optimiert werden können, müssen Medizintechnikprodukte in jeder Iteration Prozesse zur Funktionsvalidierung, klinische Bewertung und behördliche Zulassung durchlaufen. Die Medizintechnik vereinigt also medizinische Kompetenz mit Elektrotechnik, Softwaredesign und Compliance und erfordert Sicherheitserwägungen schon im Planungsprozess – Security-by-Design.
Warum unterscheidet sich deren Sicherheitsbegriff?
In der IT ist Sicherheit traditionell als Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit gerahmt. In der Medizintechnik steht Patientensicherheit an erster Stelle: Ein Beatmungsgerät darf nicht ausfallen, ein Monitor muss verlässliche Vitaldaten anzeigen und zwar auch unter Störbedingungen. Verfügbarkeit, beziehungsweise „Essential Performance“, und Integrität sind hier also höher gewichtet. Das schlägt sich auch im Patchverhalten nieder. Laufende Geräte werden nur ungern verändert.
Parallel verschärfen gesetzliche Vorgaben im Gesundheitssektor (KRITIS, IT-Sicherheitsgesetz 2.0) die Anforderungen an Angriffserkennung und Betriebssicherheit klinischer IT-Umgebungen. Das Ergebnis ist ein Sicherheitsbegriff, der Cybersecurity und funktionale Sicherheit zusammenführt.
Kurzvorstellung des Bachelors Medizininformatik an der TH Brandenburg
Die Technische Hochschule Brandenburg (THB) bietet daher einen Bachelor Medizininformatik (B.Sc.) an, der diesen Spagat leisten und sich von der klassischen elektrotechnisch dominierten Medizintechnik ablösen soll. Studierende erlernen solide Grundlagen sowohl in der Informatik, und der IT-Sicherheit, als auch in der Medizintechnik. Wissen wird an der TH Brandenburg früh in realen Projekten an Medizingeräten und bei Kooperationspartnern, wie dem Universitätsklinikum Brandenburg an der Havel, in die Praxis transferiert.
Möglichkeit zur Weiterbildung mit der Fokuslinie im Master
Wer sich vertiefen möchte, wählt den Master Informatik (M.Sc.) an der THB mit dem Studienschwerpunkt Medizininformatik. Die Spezialisierung erfolgt über aktuelle Vertiefungsmodule, u. a. zu Digital Health, Consumer Health Informatics und der Digitalen Transformation im Gesundheitswesen.
Eine weitere Spezialisierungsmöglichkeit bietet der Schwerpunkt IT-Sicherheit. Hier erwerben Absolventen des Medizintechnik Bachelors weitere wichtige Kompetenzen zur Verzahnung von IT-Sicherheit und operationeller Medizinhardware.
Flankierend zeigt die THB mit Forschungsaktivitäten durch die Fachgruppe MedSec, wie Cybersecurity-Methoden praxisnah in die Krankenhaus-IT und Medizinprodukt-Ökosysteme übertragen werden und wo noch Lücken bestehen.

