Bereits im November berichteten wir über den anstehenden Technologiewechsel innerhalb der Telematikinfrastruktur (TI). Zusammengefasst: Aufgrund neuer Richtlinien des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sowie der europäischen eIDAS-Verordnung soll das bisherige RSA-Verfahren durch den moderneren und sichereren ECC-Algorithmus (Elliptic Curve Cryptography) abgelöst werden.
Ursprünglich sollte dieser Übergang für alle Komponenten bis Ende 2025 abgeschlossen sein. Doch der Zeitplan geriet ins Wanken.
Befürchtete Umstellungsschwierigkeiten
Probleme bei der Umstellung waren bereits damals abzusehen, denn die Umstellung betrifft nahezu die gesamte Hardware-Infrastruktur einer Praxis:
- Konnektoren und Kartenterminals (gSMC-KT)
- Heilberufsausweise (HBA) und Praxisausweise (SMC-B)
- Primärsysteme (PVS) inkl. der KIM-Clientmodule
Die Gematik setzte für diese Komponenten ursprünglich eine Frist bis zum 31.12.2025. Bis dahin sollten alle Komponenten auf ECC-kompatible Versionen umgestellt sein, andernfalls könne der Zugang zur TI und ihren Diensten nicht mehr sichergestellt werden.
Doch diese Frist führte zu erheblichen Befürchtungen in der Praxislandschaft. Insbesondere aufgrund zwischenzeitlicher Lieferengpässe bei Kartenherstellern stand die Sorge im Raum, dass mit Fristablauf tausende Praxen ihren TI-Zugang verlieren könnten. Ohne TI-Anbindung drohten spürbare Einschränkungen im Praxisalltag, etwa bei der Ausstellung von E-Rezepten.
Fristverlängerung
Als Reaktion auf diese Sorgen entschied sich die gematik noch im November, die Fristen für die Umstellung bestimmter Karten zu verlängern. Insbesondere bei den HBAs war hierfür laut Gematik eine Abstimmung mit der Bundesnetzagentur sowie der eIDAS-Zertifizierungsstelle SRC erforderlich. (Wichtig: Die Frist für Konnektoren und Primärsysteme wurde nicht verlängert und lief dementsprechend am 31.12.2025 aus)
Die neuen Fristen lauten:
- HBA & SMC-B: 30.06.2026
- gSMC-KT: 31.12.2026
Zudem stellte die Gematik klar, dass vor Ablauf der neuen Fristen keine betroffenen Ausweise oder Zertifikate gesperrt werden. Praxen, die ihre Komponenten noch nicht umgestellt haben, wird dennoch dringend empfohlen, die Umstellung zeitnah vorzunehmen, um Risiken für die TI-Anbindung zu vermeiden.
Aktueller Stand
Aufgrund der verlängerten Fristen ist eine abschließende Bewertung des Gesamtprozesses derzeit noch nicht möglich. Dennoch veröffentlichte die gematik bereits zu Jahresbeginn erste Zahlen zur Umstellungsquote bei Konnektoren und Primärsystemen:
- Konnektoren: Nur noch ca. 1.450 Geräte nutzen den alten RSA-Standard (im Vergleich zu etwa 10.000 im November 2025).
- Software: Rund 93 % der Primärsysteme und 90 % der KIM-Module sind laut Selbstauskunft bereits ECC-fähig.
Nach diesen Zahlen ist die befürchtete flächendeckende Störung bislang ausgeblieben, zumindest im Bereich der Konnektoren und Primärsysteme. Zwar kam es vereinzelt zu Umstellungsschwierigkeiten, eine großangelegte Unterbrechung der TI-Anbindung ist jedoch nicht eingetreten.
Ob die Fristverlängerung maßgeblich zur Entschärfung der Situation beigetragen hat oder ob die Umstellung auch ohne diese Maßnahme weitgehend reibungslos verlaufen wäre, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen.

