Krankenwagen in Blaulichtfahrt

Deutschlands Gesundheitswesen bereitet sich auf Kriegsfall vor

Deutschlands Gesundheitswesen rüstet sich zunehmend für einen Kriegsfall aus. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) führte erstmals eine bundesweite Umfrage zur Krisen- und Katastrophenresilienz in Arztpraxen durch, an der etwa 4000 Praxen teilnahmen. Die Befragung umfasste Fragen zu Kenntnissen über chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahren, Triagierfähigkeit, analoge Telefone, Notfalheizung und Stromgeneratoren sowie zur Beteiligung als Reservisten in der Landesverteidigung.

Krankenhäuser bewerten parallel ihre Kapazität zur Behandlung von Verwundeten, einschließlich der Nutzung von Untergeschossen und Bundeswehr-Finanzierung. Die Bundeswehr führte eine große Übung durch, bei der die Verteilung von Verwundeten auf Berliner Kliniken simuliert wurde. Verteidigungsminister Boris Pistorius betont, Deutschland müsse bis 2029 "kriegstüchtig" sein. Generaloberstabsarzt Ralf Hoffmann erklärte, der ambulante Sektor müsse stärker in die Versorgung Verwundeter einbezogen werden.

Länder wie Baden-Württemberg unterzeichneten Kooperationsvereinbarungen mit der Bundeswehr und finanzieren spezialisierte Programme zur Katastrophenchirurgie. Das Universitätsklinikum Tübingen investiert 3,2 Millionen Euro in Batteriespeicher für Stromausfälle. Nach Schätzungen des Ärzteblatts könnten bei einem NATO-Russland-Krieg bis zu 1000 Verwundete pro Tag anfallen, was 35.000 Krankenbetten innerhalb von zwei Wochen erforderlich macht. Die BSW-Fraktion kritisiert die "Militarisierung des deutschen Gesundheitswesens" und fordert volle Transparenz sowie Garantien für die Priorität ziviler Versorgung.

Kernpunkte:

  • Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) führte erstmals eine bundesweite Umfrage zur Krisen- und Katastrophenresilienz in Arztpraxen durch.
  • Die Umfrage erfasste Kenntnisse und Fähigkeiten im Umgang mit chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Gefahren.
  • Krankenhäuser bewerten ihre Kapazität zur Behandlung von Verwundeten im Kriegsfall, einschließlich der Nutzung von Untergeschossen und Bundeswehr-Finanzierung.

Quelle: Berliner Zeitung (Deutsch)