Krankenwagen in Blaulichtfahrt

Krankenhaus-IT: Woher kommt der Druck?

heise.de hat mit Andreas Lockau, Vorstand im Bundesverband der Krankenhaus-IT-Leiter, über die aktuellen Herausforderungen gesprochen. Sein Fazit: Die IT in Kliniken steht vor einem Dilemma: Einerseits fehlen Fachkräfte, andererseits wachsen die Anforderungen durch Digitalisierung und neue gesetzliche Vorgaben – oft ohne ausreichende Ressourcen.

Fachkräftemangel und Arbeitsbedingungen

Krankenhäuser gelten als unattraktive Arbeitgeber, obwohl die Arbeit technisch anspruchsvoll und gesellschaftlich relevant ist. Grund dafür sind laut Lockau auch die gezahlten Gehälter, die mit der Industrie nicht mithalten können. Zudem werden die IT-Abteilungen der Krankhäuser häufig mit Aufgaben belastet, die eigentlich in anderen Bereichen liegen. Lockau betont, dass klare Verantwortlichkeiten und bessere Kommunikation nötig sind, um die Arbeitsbelastung zu verteilen.

Digitalisierung: Zwischen Fortschritt und Sanktionen

Die Digitalisierung selbst ist ein zweischneidiges Schwert. Zwar gibt es Fortschritte, etwa durch den Digitalradar, der den Stand der Dinge misst. Doch Lockau warnt davor, dieses Instrument für Sanktionen zu nutzen. Kliniken, die bei der Umsetzung hinterherhinken, könnten sonst mit Kürzungen rechnen – eine zusätzliche Belastung in einer ohnehin angespannten Situation. Sein Appell: „Wir brauchen Fortschritt, keine zusätzlichen Strafen.“

IT-Sicherheit und Telematikinfrastruktur

Angriffe auf Krankenhäuser nehmen zu, doch die vorgesehenen Mittel reichen kaum aus. Lockaus eigener Klinikverbund gibt jährlich 300.000 Euro für Sicherheitsmaßnahmen aus, doch viele Häuser können sich solche Investitionen nicht leisten. Die Telematikinfrastruktur (TI), die eigentlich für sichere Kommunikation sorgen soll, leidet unter überbordender Bürokratie und fehlenden Standards. Während Länder wie die Niederlande einheitliche Lösungen nutzen, dominieren in Deutschland teure Sonderwege und technische Hürden.

Standardisierung und politische Rahmenbedingungen

Lockau kritisiert die mangelnde Standardisierung bei Krankenhausinformationssystemen (KIS). Schnittstellen sind oft kostspielig, und Hersteller agieren in abgeschotteten Silos. Das bremst die Digitalisierung aus und führt zu ineffizienten Prozessen. Sein Fazit: Es braucht verbindliche Vorgaben und langfristige Finanzierung, statt kurzfristiger Förderprogramme.

Die Politik ist gefordert, aber Lockau sieht auch die Kliniken in der Pflicht. Statt nur Rückstände zu sanktionieren, sollte gutes Handeln belohnt werden. Die Krankenhaus-IT braucht stabile Rahmenbedingungen – sonst bleibt die Transformation ein zäher Prozess. Das Interview zeigt: Die Probleme sind bekannt, doch Lösungen brauchen Zeit und politische Unterstützung.

Ein Beispiel für das Schaffen von stabilen Rahmenbedingungen wurde letzte Woche auf diesem Blog vorgestellt: den Branchenspezifische Sicherheitsstandard (B3S) für die Krankenhäuser.