Die elektronische Patientenakte (ePA) gilt als zentrales Element der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen. Doch der derzeitige Rollout in Arztpraxen zeigt deutliche Reibungsverluste, wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet.
Status quo
Seit dem 29. April 2025 stellen Praxissoftwareanbieter die notwendigen Updates für die ePA bereit. Ab dem 1. Oktober 2025 ist die Befüllung relevanter medizinischer Daten für Ärzt:innen verpflichtend. Damit verändert sich die ePA von einem freiwilligen Angebot zu einem verbindlichen Instrument der Versorgung.
Erste Praxistests in Modellregionen wie Franken, Hamburg und Teilen Nordrhein-Westfalens zeigen jedoch, dass die Integration in die tägliche Routine alles andere als trivial ist.
Hauptprobleme in der Umsetzung
Technische Verfügbarkeit und Kompatibilität
Der sukzessive Rollout der Software-Updates führt dazu, dass nicht alle Systeme gleichzeitig einsatzbereit sind. Zusätzlich bestehen Kompatibilitätsprobleme zwischen einzelnen Praxisverwaltungssystemen und den ePA-Modulen. Die fehlende Synchronisierung erschwert einen flächendeckenden Start. In der Folge können ca. 20% der Praxen am Start der elektronischen Patientenakte nicht teilnehmen.
Workflow und administrativer Mehraufwand
Die Einbindung der ePA bedeutet einen erheblichen Eingriff in bestehende Arbeitsabläufe. Ärzt:innen und MFA müssen prüfen, welche Dokumente in die Akte übertragen werden sollen. Hinzu kommt Schulungsbedarf, um Bedienungsfehler und Zeitverluste zu minimieren.
Datenschutz und rechtliche Rahmenbedingungen
Neben technischen Fragen bleibt die Skepsis hoch: Unklare Haftungsregelungen, Bedenken zu Cybersecurity sowie Unsicherheiten bei Zugriffsrechten beeinträchtigen die Akzeptanz. Die Einbindung in bestehende Datenschutzkonzepte der Praxen ist mit erheblichem Aufwand verbunden.
Zeitdruck durch verpflichtende Nutzung
Mit Blick auf den Oktober 2025 fühlen sich viele Praxen unter Druck gesetzt. Während einzelne Einrichtungen bereits aktiv teilnehmen, zögern andere, weil die Ressourcen für eine kurzfristige Umstellung fehlen.
Perspektive
Trotz der Startschwierigkeiten ist der Nutzen der ePA unbestritten: effizientere Informationsweitergabe, bessere sektorenübergreifende Koordination und Vermeidung redundanter Diagnostik. Voraussetzung ist jedoch eine stabile technische Basis und ein praxisnaher Support für die Implementierung.
Für die kommenden Monate entscheidend sind:
- ein beschleunigter Rollout der Softwareupdates,
- klare Vorgaben zur Haftung und Datensicherheit,
- praxisorientierte Schulungsangebote,
- eine enge Kooperation zwischen KVen, Krankenkassen, Herstellern und Praxisbetrieben.
Nur wenn diese Faktoren greifen, kann die ePA ihre Rolle als Rückgrat der digitalen Gesundheitsversorgung tatsächlich erfüllen.
Weitere Informationen zur Betreibergesellschaft hinter der ePA finden sie hier auf unserem Blog: Die Rolle der gematik in der IT-Sicherheit des Gesundheitswesens

